Neubrandenburg Info

Lage

Neubrandenburg liegt im Südosten Mecklenburgs in etwa 19 m Höhe über NN (Stadtzentrum) am Nordufer des zur Stadt gehörenden Tollensesees und in den Flusstälern der hier beginnenden Tollense und Datze und der in den Tollensesee mündenden Linde sowie den umliegenden Erhebungen der Grundmoränenplatten auf etwa halbem Wege zwischen Berlin und der Insel Rügen.



Geschichte

Vorgeschichte

Am 18. August 1170 wurde bei der Wiederherstellung des Havelberger Domstifts von Herzog Kasimir I. von Pommern im jetzigen Stadtteil Broda ein Kloster gegründet, um die Christianisierung der ansässigen slawischen Bevölkerung zu übernehmen. Baubeginn der Klosteranlage kann nach neuesten Forschungen jedoch kaum vor 1240 erfolgt sein, geht der Stadtgründung von Neubrandenburg also unmittelbar voraus.

Mittelalter

Die Gründung von Neubrandenburg am 4. Januar 1248 durch Markgraf Johann I. von Brandenburg und die bald nach der Jahrhundertmitte erfolgte Ansiedlung des Franziskanerordens deuten auf eine besondere Bestimmung des Ortes unter den askanischen Markgrafen hin.

Nach der Gründung der Stadt blieben die Bürger Neubrandenburgs für knapp sechs Jahre abgabenfrei und hatten verschiedene andere Vergünstigungen. Von einer Stadtbefestigung ist allerdings zunächst keine Rede. Die erste Nachricht über eine provisorische, hölzerne Wehranlage oder die Absicht der Neubrandenburger, eine solche zu errichten, findet sich in einer Urkunde von Markgraf Otto III. von Brandenburg aus dem Jahre 1261. Man nutzte dafür, was zur Verfügung stand: Holz, Erde und Wasser. Ein palisadenähnlicher Zaun, umgeben von Erdwällen und Wallgräben bildete den ersten Schutzgürtel. Da diese hölzerne Wehranlage schon bald nicht mehr ausreichenden Schutz bot, ersetzte man später den eichenen Plankenzaun durch eine steinerne Stadtmauer. Der genaue Zeitpunkt von deren Baubeginn ist jedoch nicht überliefert. Man vermutet in Anlehnung an Überlieferungen aus Friedland, dass mit dem Bau bald nach 1300 begonnen wurde. Gestützt wird diese Vermutung durch Ergebnisse dendrochronologischer Untersuchungen von Hölzern aus verschiedenen Stadttoren.
Das Friedländer Tor, hier die Feldseite des Haupttorturmes, gilt als älteste Toranlage der Stadt
Das Friedländer Tor, hier die Feldseite des Haupttorturmes, gilt als älteste Toranlage der Stadt

Ab etwa 1300 wurde auch der Bau von drei steinernen Stadttoren in Angriff genommen, die vermutlich schrittweise ältere Holzkonstruktionen ersetzten. Die Backsteinbauten der älteren drei Tore sind alle nach gleicher Art angelegt: Im Verlauf der Stadtmauer steht auf annähernd quadratischem Grund ein Torturm ohne Seitenbauten, im Zuge des äußeren Walles steht ein Außentor, mit dem Innentor durch Verbindungsmauern zu einer in sich allseitig geschlossenen Torburg zusammengefasst. Die Wehranlagen bestehen aus einem annähernd kreisrunden, doppelten System aus Erdwällen und Gräben, die allerdings nur teilweise geflutet werden konnten, und der steinernen Mauer, welche mit 54 (in der Literatur schwankt die Zahl zwischen 52 und 56) Wiekhäusern besetzt war. Später versuchte man die Wehrhaftigkeit der Stadt durch zwei Türme zu verstärken, die die Mauer überragten (einer stürzte 1899 ein). Anfangs führten nur drei Tore in die Stadt, später erbaute man aus verkehrstechnischen Gründen ein viertes Stadttor. Um den natürlichen Schutz zu erhöhen und die früher so lebenswichtige Wasserversorgung der Stadt zu sichern und Mühlen vor den Toren der Stadt anlegen zu können, wurden zusätzlich umfangreiche Wasserbauten ausgeführt.
Neubrandenburg – Detail der Stadtmauer mit Resten eines Wiekhauses
Neubrandenburg – Detail der Stadtmauer mit Resten eines Wiekhauses

Wichtiger Zentralort blieb Neubrandenburg auch, als die Stadt 1298 mit der Herrschaft Stargard in die Hand der Mecklenburger gelangte und mit dieser ab 1347 schließlich als Reichslehen zum Besitz der Fürsten, Herzöge, zuletzt Großherzöge zu Mecklenburg zählte. Seit dem Spätmittelalter gehörte Neubrandenburg neben Güstrow und Parchim zu den wichtigsten Verwaltungszentren des mecklenburgischen Binnenlandes. Im 14. und 15. Jahrhundert war die Stadt Hauptresidenz des (Teil-) Herzogtums Mecklenburg-Stargard. Als Vorderstadt des Stargardischen Kreises hatte die Stadt im Rahmen der landständischen Verfassung Mecklenburgs unmittelbaren Einfluss auf die Landesverwaltung, ihre Bürgermeister zählten im altmecklenburgischen Ständestaat zu den ranghöchsten Politikern.

Bereits 1523 predigte der Stralsunder Johann Berckmann mit herzoglicher Hilfe in Neubrandenburg die lutherische Lehre. Das bedeutende und seit Stadtgründung bestehende Franziskanerkloster hielt sich bis etwa 1552 in der Stadt. Selbst der Guardian war übergetreten.

Neuere Zeit

1631 wurde die befestigte Stadt von kaiserlichen Truppen der katholischen Allianz unter General Tilly erobert und verwüstet. Hunderte Menschen wurden gefoltert, gequält und ermordert, Kirchen und Wohnhäuser ausgeraubt und zerstört. Selbst das Kircheninnere bot der wehrlosen Bevölkerung keinen Schutz. Noch Jahrhunderte später waren diese Ereignisse als Schreckenstage der Stadtgeschichte im Lebensalltag der Menschen präsent. Infolge des Dreißigjährigen Krieges mußte Neubrandenburg 1671 als einzige mecklenburgische Stadt den Stadtkonkurs anmelden. Es brauchte mehr als eineinhalb Jahrhunderte, ehe sich Neubrandenburg von den Kriegsfolgen allmählich erholt hatte. Noch im 18. Jahrhundert lagen in Hauptverkehrsstraßen der Altstadt einzelne Hausgrundstücke wüst oder wurden temporär als Gärten genutzt.

Verheerende Stadtbrände vernichteten 1676 und 1737 große Teile der historischen Bausubstanz. Seit Ende der 1730er Jahre entstanden nunmehr alle markanten Gebäude, die das Bild der Altstadt bis 1945 prägten. Dazu gehörte ein spätbarockes Rathaus als Mittelpunkt des zentralen Marktplatzes nach Entwürfen des herzoglichen Hofbaumeisters Christoph Julius Löwe. Nachdem die Wahl zur fürstlichen Hauptresidenz des 1701 neu gebildeten (Teil-) Herzogtum Mecklenburg-Strelitz noch am Bürgerstolz der Neubrandenburger gescheitert war, belebte Herzog Adolf Friedrich IV. die mittelalterliche Residenzstadtfunktion Neubrandenburgs in der zweiten Hälfte seiner Regierungszeit neu. Ab 1774 entstand direkt auf dem Marktplatz ein fürstliches Residenzschloss (in Neubrandenburg traditionell als „Palais“ bezeichnet, seit den 1920ern in städtischem Besitz und vor der Zerstörung 1945 teilweise museal genutzt).
Das Schauspielhaus im Jahr 2007
Das Schauspielhaus im Jahr 2007

Alljährlich während der Sommermonate wurde die Stadt fortan zum Mittelpunkt des höfischen Lebens im kleinen Landesteil Mecklenburg-Strelitz. Der landestypisch bescheidene Glanz monarchischer Prachtentfaltung endete bereits mit dem Tod jenes Herzogs. Heute kündet nur noch das „Schauspielhaus“, der älteste erhaltene Theaterbau in Mecklenburg-Vorpommern, von dieser Glanzzeit der Stadtgeschichte.

Trotz äußerem Schein blieb die wirtschaftliche Grundlage des Lebens dürftig. Der Niedergang des Landes im Dreißigjährigen Krieg, die Lage in einem der am dünnsten besiedelten Gebiete Deutschlands, vor allem aber der Fortbestand der landständischen Verfassung in Mecklenburg bis 1918 hemmten die Entwicklung der Stadt nachhaltig. Neben der Eigenversorgung beschränkte sich die wirtschaftliche Bedeutung Neubrandenburgs in der Folgezeit im Wesentlichen auf Nahmarktfunktionen für das Umland. Die Industrialisierung setzte im 19. Jahrhundert nur zögernd ein. Verarbeitungsbetriebe für landwirtschaftliche Erzeugnisse entstanden, Eisengießereien und Maschinenbaufabriken produzierten für Agrarbetriebe aus dem Umland. Weithin berühmt waren Neubrandenburger Pferde- und Wollmärkte.

Seit Beginn des 18. Jahrhunderts festigte sich dennoch die Rolle Neubrandenburgs als Vorderstadt und politisches Zentrum innerhalb des Verfassungssystems des altmecklenburgischen Staates. Die förmliche Inthronisation neuer Herrscher im Strelitzschen Landesteil, vollzogen nach alten Gebrauch durch den „Handschlag“ (d. h. den Treueeid) der Ritter- und Landschaft, wurde traditionell in Neubrandenburg zelebriert. Hier trafen sich auch die parlamentarischen Gremien, hier blieb bis zum Ende der Monarchie der Sitz ihrer Kreisbehörde. 1770 fand in Neubrandenburg die letzte öffentliche Hinrichtung statt (Goethe war 21 Jahre alt, als man in Neubrandenburg noch immer „räderte“). Den Anschluss an die Moderne ermöglichte jedoch erst der Beitritt beider mecklenburgischer Landesteile zum Norddeutschen Bund. 1863 wurde die Tor- und Zollsperre aufgehoben. 1864 erhielt Neubrandenburg Bahnanschluss, 1867 begann der Betrieb der Linie Lübeck-Stettin, 1877 der Linie Berlin-Stralsund. In der Stadt erwachte eine rege Bautätigkeit. In der Altstadt wurden vielfach alte Fachwerkbauten saniert oder durch Neubauten ersetzt. Zugleich wuchs die Stadt nun zügig über den mittelalterlichen Mauerring hinaus. Mit besonderer Sorgfalt bemühte man sich im 19. Jahrhundert, die längst schadhaft gewordenen mittelalterlichen Wehrbauten instand zu setzen und ganz nach dem historistischen Zeitgeschmack noch schöner erstrahlen zu lassen als je zuvor. Vor allem diese Leistungen früher Denkmalpflege in Neubrandenburg haben erreicht, dass die Stadt heute die am besten und vollständigsten erhaltene mittelalterlichen Wehranlagen in ganz Norddeutschland präsentieren kann.

Eine jüdische Gemeinde bildete sich in Neubrandenburg 1864. Die rasch steigende Mitgliederzahl führte 1877 zum Bau der aufwändig orientalisch gestalteten Synagoge in der (heutigen) Poststraße. Bis zur Jahrhundertwende hatte die traditionelle Ausgrenzung der Juden in Neubrandenburg aufgehört und jüdische Mitbürger - vor allem Kaufleute - unterschieden sich nicht mehr von anderen Bewohnern der Stadt. Seit 1914 war Neubrandenburg Sitz der israelitischen Landesgemeinde von Mecklenburg-Strelitz, jedoch blieb der Anteil jüdischer Mitbürger auch hier wie überall in Mecklenburg gering.

Nationalsozialismus und Weltkrieg

Obwohl sich die Nationalsozialisten im landwirtschaftlich geprägten Norden schon seit den 1920ern einer wachsende Anhängerschaft verzeichnen konnten, setzte antisemitische Propaganda in Neubrandenburg erst vergleichsweise spät, nach dem Wahlsieg der NSDAP als führenden politischen Kraft ein und unterschied sich fortan kaum von zeittypischen Vorgängen überall im Reich. In der Nacht vom 31. Mai zum 1. Juni 1933 fand auf dem Marktplatz eine Bücherverbrennung statt, die in Nachahmung der „Aktion wider den undeutschen Geist“ der deutschen Studentenschaft von der örtlichen NSDAP organisiert wurde, deren Ortsgruppenführer auch die Hauptrede hielt. Nach Abwanderungen zahlreicher Familien lebten 1938 noch 15 Bürgern jüdischer Herkunft in Neubrandenburg. In der Reichspogromnacht (1938) steckte der SA-Mann Klaus Reinke die Synagoge in Brand; die Feuerwehr ließ sie ausbrennen und verhinderte lediglich ein Übergreifen der Flammen auf die anliegenden Häuser. Auch die Neubrandenburger Presse trug zur antisemitischen Hetze bei, indem sie unter anderem Schilder an Eingangstüren von Geschäften forderte, die Juden den Zutritt untersagten. Unter nationalsozialistischem Druck verzichtete die jüdische Gemeinde schließlich 1940 auf das Erbpachtrecht an ihrem Bestattungsplatz am Ende der Scheunenstraße vor dem Friedländer Tor und stimmte dessen Auflassung zu. Die nationalsozialistische Presse bejubelte die Verlegung des jüdischen Friedhofs mit den Worten: „Damit verschwindet ein Schandfleck im Stadtbild!“. Die vorhandenen Gräber wurden auf den sogenannten Alten Friedhof umgebettet, später baubedingt nochmals in einen anderen Friedhofsteil verlegt und mit ihm in den 1980er Jahren schließlich ganz aufgelassen. Während bei der Beräumung des Friedhofs nahezu alle erhaltenen Grabmale Neubrandenburger Bürgerfamilien vernichtet wurden, sorgte der um die Stadtgeschichte sehr verdiente Steinmetzmeister Dassow dafür, dass wenigstens die noch vorhandenen jüdischen Grabsteine erhalten blieben. [2]

Während des Zweiten Weltkrieges waren Frauen aus dem KZ Ravensbrück zur Zwangsarbeit in dem Rüstungsbetrieb Mechanische Werkstätten Neubrandenburg (MWN) eingesetzt, die im Barackenlager Ost in der Ihlenfelder Vorstadt untergebracht waren. In den Jahren 1942/43 wurde das Barackenlager West als Außenlager des KZ Ravensbrück errichtet, in das diese Frauen umgesetzt wurden. Zu ihnen kamen weitere 2.500 weibliche Häftlinge, die unter unvorstellbar grausamen Bedingungen zur Arbeit gezwungen wurden. Viele von ihnen starben an Hunger, Krankheiten und Mißhandlungen.

Nach dem Einmarsch der Roten Armee, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde die Stadt Opfer von Zerstörung und Brandschatzung, welche die historische Altstadt zu mehr als 80 Prozent vernichteten. Die Verantwortung der Roten Armee für diese Vorgänge versuchte die SED-Propaganda in der Nachkriegszeit durch vielfältige Legenden zu vertuschen. So hieß es beispielsweise, dass sich in der Innenstadt einige Einheiten der Wehrmacht verschanzt hätten und die Stadt eine Kapitulation verweigerte (die Verteidigung der Stadt erfolgte durch das SS Fallschirmjägerbataillon 600) oder dass der Umstand maßgeblich gewesen sein soll, dass Neubrandenburg die Geburtsstadt von Otto Ernst Remer war. Die moderne Stadtgeschichtsforschung konnte all diese Aussagen inzwischen zweifelsfrei als mehr oder weniger frei erfundene Propagandalügen entlarven.

Kriegsbedingte Lager in Fünfeichen

Die Geschichte der kriegsbedingten Lager in Fünfeichen bei Neubrandenburg zählt zu den schwärzesten Kapiteln der Stadtgeschichte. 1939 entstand auf dem Gelände des Gutes Fünfeichen ein Kriegsgefangenenlager "Stalag II A". Geplant und gebaut für 10.000 Gefangene waren 1944 im Lager 20.000 Kriegsgefangene untergebracht.

Nach Kriegsende und Auflösung des Kriegsgefangenenlagers wurde Stammlager Neubrandenburg-Fünfeichen als Internierungs- und Speziallager des NKWD unter dem Namen "Speziallager Nr. 9" weitergenutzt. Interniert waren fast ausschließlich Deutsche, die meist ohne Untersuchung festgenommen wurden, keine Verurteilten und keine Kriegsgefangenen. Darunter waren viele Jugendliche, die meist unschuldig unter dem Vorwurf standen, zum "Werwolf" zu gehören. Bis zur Schließung des Lagers 1948 zählte man ca. 18.000 Internierte, von denen über 5.000, d.h. mehr als ein Viertel, an den Haftbedingungen gestorben sind. Der Höchststand lag im September 1946 bei 10679 registrierten Häftlingen. Das sowjetische Lager gehörte zu den Tabuthemen in der DDR. 1993 wurde ein Mahnmal eingeweiht, zwei Gräberfelder sind zugänglich.[3]

Nachkriegsentwicklung

Der Wieder- oder richtiger Neuaufbau des Stadtzentrums ab 1952 erfolgte in Neubrandenburg bis in die frühen 1960er Jahre hinein mit besonders hohem ästhetischen Anspruch. Das historische Straßenraster wurde weitgehend beibehalten. Die Neubebauung dieser Zeit nahm besondere Rücksicht auf die Wehrbauten des Mittelalters. Man bemühte sich, herausragende Bauformen aus dem historischen Stadtbild in den Neubauten zu zitieren und damit die Erinnerung an das zerstörte alte Stadtbild wach zu halten. Zwar erhielt der Neubrandenburger Stadtkern im Zuge dieses Neuaufbaus ein völlig neues Gesicht. Gleichwohl findet diese Neubrandenburger Aufbauleistung in der Fachwelt zunehmend mehr Anerkennung und Wertschätzung.

Von 1952 bis 1990 war Neubrandenburg wiederum Verwaltungszentrum und Behördensitz – nunmehr des gleichnamigen Bezirkes der DDR. Ziel war es, die Stadt weiter zum wirtschaftlichen und politischen Zentrum im Norden der DDR auszubauen. Dazu war ein Ausbau auf mindestens 100.000 Einwohner sowie die Ansiedlung zahlreicher Industriebetriebe vorgesehen. Als große Neubaugebiete mit typischen Plattenbauten entstanden seit Mitte der 1960er Jahren die Stadtteile Ost und West, der Datzeberg mit rund 3500 Wohnungen, das Reitbahnviertel mit rund 3000 Wohnungen und Erweiterungen des Stadtteils Süd, u.a. um das Stadtgebiet Lindenberg. Die Industrieanlagen wurden erweitert oder neu errichtet, darunter ein Reifenwerk und ein Reparaturwerk für Militärtechnik sowie ein Containerbahnhof mit entsprechenden Abfertigungsanlagen. Kurz vor Ende der DDR wurde in Neubrandenburg eine Pädagogische Hochschule eröffnet, die sich in der Nachwendezeit zunächst zur Fachhochschule und schließlich zu einer Hochschule umprofilierte.

Ab 1. Januar 1969 war Neubrandenburg wiederum kreisfreie Stadt mit einem Oberbürgermeister als Stadtoberhaupt (seit den 1930er Jahren bis etwa 1948 besaß Neubrandenburg schon einmal einen Oberbürgermeister als Stadtoberhaupt). Neubrandenburg verfehlte den Aufstieg zur Großstadt (100.000 Einwohner) nur knapp und ist heute trotz sinkender Einwohnerzahlen Oberzentrum und drittgrößte Stadt in Mecklenburg-Vorpommern.

Nach der politischen Wende wurde ab 1991 im Rahmen der Städtebauförderung mit der Sanierung des historischen Stadtkerns mit dem Schauspielhaus und der Konzertkirche begonnen. Auch die Plattenbausiedlungen - vor allem das Reitbahnviertel und der Datzelberg sowie die Nordstadt mit der Ihlenfelder Vorstadt - wurden seit 1993 bzw. 1999 durch Programme zum Stadtumbau und zur "Sozialen Stadt" erheblich verbessert.


Heutige wirtschaftliche Struktur

Industrie und Gewerbe
Neubrandenburg ist das Oberzentrum eines ca. 400.000 Einwohner zählenden Einzugsgebietes. In Bezug auf Bruttoinlandsprodukt (Quelle: Eurostat, 2007), Arbeitsplatzdichte (Quelle: IHK zu Schwerin, 2007) und Pro-Kopf-Steuereinnahmen nimmt die Stadt eine führende Position unter den kreisfreien Städten Mecklenburg-Vorpommerns ein. In Neubrandenburg sind namhafte Unternehmen des Fahrzeug- und Maschinenbaus ansässig. Als Beispiele für überregional bzw. international tätige Unternehmen aus Neubrandenburg seien hier genannt: De Mäkelbörger, SMW, Spheros, Telegate, Webasto, Weber-Maschinenbau, Weka-Holzbau. Eine wachsende Branche stellen Callcenter dar, die Stadt ist das Zentrum der Branche im Nordosten. Neubrandenburg liegt innerhalb einer strukturschwachen Region. Die Arbeitslosigkeit ist vergleichsweise hoch, daraus folgend hat es in den Jahren seit der deutschen Wiedervereinigung große Abwanderungsbewegungen gegeben.

Medien
* In Neubrandenburg erscheint die regionale Tageszeitung Nordkurier. Zudem ist die Stadt Sitz eines Regionalstudios des NDR (sogenanntes Haff-Müritz-Studio Neubrandenburg).

* Neubrandenburg besitzt einen eigenen TV-Kanal namens "neu'eins – Dein Regionalfernsehen". Mit einem Bekanntheitsgrad von über 70% laut Medienanalyse des Jahres 2004 ist der Sender von den Bewohnern der Stadt sehr gut angenommen worden. Einige Formate des Senders sind zum Beispiel das "neu'eins Journal", das Jugendmagazin "Nachtschwärmer" oder das Gartenmagazin "Bella Flora".

* NB-Radiotreff 88,0: Neubrandenburg hat auch einen Offenen Kanal der Landesrundfunkzentrale Mecklenburg-Vorpommern. Der Sender hat seinen Sitz Treptower Straße 9 (gegenüber vom Marktplatzcenter) und ist auf der Frequenz 88,0 zu empfangen.


Verkehr

Neubrandenburg liegt 135 Kilometer nördlich von Berlin, 150 Kilometer östlich von Schwerin und 100 Kilometer südöstlich von Rostock.

Östlich und nördlich von Neubrandenburg verläuft die A 20. Um die Innenstadt laufen die Bundesstraßen B 96 (Saßnitz–Stralsund–Neubrandenburg–Berlin–Zittau) und B 104 (Lübeck–Neubrandenburg–Stettin) in einen Ring zusammen. Im Westen der Stadt beginnt die B 192 (Neubrandenburg–Wismar) und acht Kilometer östlich der Stadt die B 197 (Neubrandenburg–Anklam). Neubrandenburg ist Knotenpunkt der beiden Eisenbahnlinien Berlin–Stralsund und Lübeck–Stettin. Außerdem gibt es eine Nebenstrecke nach Friedland, die 1884 eröffnet wurde und heute nur noch sehr selten befahren wird.

An der nördlichen Stadtgrenze, an der B 96, befindet sich in Trollenhagen der Flughafen Neubrandenburg.





Kultur- und Sehenswürdigkeiten

Theater und Musik
* Haus der Kultur und Bildung (HKB)
* Das Schauspielhaus Neubrandenburg ist eine Spielstätte des Landestheaters Mecklenburg.
* Konzertkirche Neubrandenburg, Spielort der Philharmonie Neubrandenburgs
* Das kommunale Kino Latücht
* Kino: Cinestar Neubrandenburg

Museen
* Regionalmuseum Neubrandenburg, eines der ältesten bürgerlichen Museen in Mecklenburg-Vorpommern (gegründet 1872)
* Kunstsammlung Neubrandenburg (gegründet 1982)
* Das wahrscheinlich kleinste Versicherungsmuseum der Welt (eröffnet 2007 von der Mecklenburgischen Versicherungsgruppe)

Bauwerke
Neubrandenburg besitzt mit seiner Stadtmauer und den vier spätgotischen Toren eine der am vollständigsten erhaltenen mittelalterliche Wehranlage aus dem 13.–15. Jahrhundert. Eingebettet in einen Stadtmauerring von etwa 2.300 m Länge und bis zu 7 m Höhe sind die vier Stadttore (Stargarder Tor, Friedländer Tor, Treptower Tor und Neues Tor), Wiekhäuser (Weich-, Wachhäuser) und Fangelturm. Die Tore – aus rotem Backstein errichtet – gaben Neubrandenburg den Beinamen Viertorestadt oder Stadt der vier Tore. Vor dem Zweiten Weltkrieg galt Neubrandenburg als Rothenburg des Nordens.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind die 1298 geweihte Hauptpfarrkirche St. Marien, die nach starker Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ab den 1970er Jahren als Konzerthalle wieder aufgebaut wurde (Einweihung 2001), das ehemalige Franziskanerkloster mit Klosterkirche St. Johannis und die historische Vierrademühle, seit der Schließung Ende des 20. Jahrhunderts ein Standort multikultureller und gastronomischer Angebote.

Im Wohngebiet Oststadt befindet sich der erste jemals gebaute WBS 70-Block des Neubrandenburger Wohnungsbau-Kombinates, der inzwischen unter Denkmalschutz steht.

Die Ravensburg im Burgholz, nahe dem Stadtteil Monckeshof, ist eine slawische Wehranlage.

Denkmäler
siehe Liste der Denkmäler, Brunnen und Skulpturen in Neubrandenburg

Parks
* Kulturpark mit vielfältigen gastronomischen und touristischen Angeboten am Tollensesee (Hotels, Gaststätten, Eisdiele, Bootshaus mit Bootverleih, Gokart, Streichelzoo).
* Modellpark Mecklenburgische Seenplatte – zahlreiche Gebäudemodelle im Maßstab 1:25

Sport

* FFV Neubrandenburg (Frauenfußballverein) - Der erfolgreichste Fußballverein der Stadt. Spielt in der 2. Fußballbundesliga Nord.
* 1. FC Neubrandenburg 04 – spielt derzeit in der Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern. In der Saison 1964/65 spielte der Club unter dem Namen SC Neubrandenburg ein Jahr in der DDR-Oberliga, welche die höchste Spielklasse der DDR war.

* Sportclub Neubrandenburg (SCN). Dem SCN gehören einige Olympiasieger an, wie zum Beispiel Andreas Dittmer, Goldmedaillen-Gewinner im Kanadier in Sydney 2000, die Kugelstoßer Astrid Kumbernuss und Ralf Bartels Diskuswerferin Franka Dietzsch und die Läuferin Katrin Krabbe.
* ASG Vorwärts Neubrandenburg - ehemaliger Fußballverein

* Das Jahnsportforum ist Neubrandenburgs größte Sporthalle. Viele Sportereignisse, darunter auch das jährlich stattfindende Knabenturnier werden hier ausgeführt.



Quellen : www.wikipedia.de


Die Bilder stammen von dem Fotoportal www.pixelio.de von folgendem Fotografen:
cade2604, cantalegro, rebalu und Michael O.


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